Fahren in der Gruppe

Fahren in der Gruppe kann durchaus ein schönes Erlebnis sein, aber um sicher in einer heterogenen Gruppe von Bikes und Bikern zu fahren, sollten gewisse Vorbereitungen und Regeln beachtet werden.
DAS WICHTIGSTE ZUERST:

  • Jeder ist für seine Sicherheit selbst verantwortlich!
  • Jeder fährt nach seinem eigenen Können!
  • Jeder ist für das Mitkommen seines nachfolgenden Fahrers verantwortlich!

Vorbereitung Jedes Bike sollte in einem guten Zustand sein, denn nichts ist ärgerlicher als ein stehengebliebenes Bike weit weg von zuhause. Zudem gehören das Bordwerkzeug, ein Reifen-Reparatur-Set, einen Motorrad-Erste-Hilfe-Set und eine Warnweste in jedes Bike.
Selbstverständlich gehört eine Sicherheits-Ausrüstung zu jedem Biker. Dazu gehören Motorrad-Stiefel, -Hosen, -Jacke, oder -Kombi, -Handschuhe, Helm und Rückenschutz. Um auch bei Regen sicher fahren zu können, kann die Ausrüstung Wetterfest d.h. mit einer Wasser- und Winddichten Membran ausgestattet sein, oder ein Regenkombi sollte mitgenommen werden.
Es ist zudem Vorteilhaft, aber nicht zwingend, wenn der oder die Gruppenchefs ein Navi-Gerät haben um sich möglichst selten zu verfahren und um während dem Fahren nicht ständig auf die Karte Blicken zu müssen. Eine Landkarte sollte aber trotzdem mitgeführt werden, denn auch ein Navi kann mal aussteigen.
Streckenverlauf, Treffpunkte und Tankstopps sollten fest vereinbart werden. Fällt die Gruppe auseinander, kann sie sich an den verabredeten Punkten wieder sammeln.
Jeder Teilnehmer sollte eine aktuelle Mitglieder-Liste dabei haben um bei Notfällen die Anderen erreichen zu können.
Sollte die Ausfahrt ins Ausland gehen, muss jeder Teilnehmer selbst besorgt sein, dass er gültige Ausweispapiere dabei hat und genügend Fremdwährung mitnimmt.
Bevor man losfährt müssen alle Bikes vollgetankt werden. Die folgenden Tankstopps richten sich immer nach dem Bike mit dem kleinsten Tank (in der Regel alle 180 bis 200 km) und es erscheint sinnvoll zu tanken, wenn alle tanken.

Allgemeine Regeln Fahren in der Gruppe erfordert Konzentration, Disziplin, und es ermüdet mehr als wenn man alleine oder zu zweit fährt. Dazu wiegt man sich oft in falscher Sicherheit, und man wird fast ein wenig vom Rücklicht des Vorausfahrenden hypnotisiert.
Wer merkt, dass das Tempo der Gruppe für ihn selbst zu hoch ist, sollte nicht zwanghaft mithalten oder den Schnelleren nacheifern wollen. Besser ist es, sein eigenes Tempo zu fahren.
Fahrer mit weniger Fahrpraxis, oder mit langsamen Bikes fahren am Anfang der Gruppe, da dort die Geschwindigkeit am tiefsten ist.
Bei grossen Gruppen kann es vorkommen, dass Kreuzungen gesichert und "abgesperrt" werden um die ganze Gruppe nicht zu teilen. Das soll aber in keiner Weise heissen, dass hier ein Wegerecht erzwungen werden soll.
Beim befahren von Ampeln wird versucht das Tempo so zu dosieren, dass die ganze Gruppe "grün" haben wird. Dies wird aber nicht immer möglich sein. Bei "rot" wird angehalten, auch mitten in der Gruppe. Der vordere Teil wird in vermindertem Tempo weiterfahren, oder an einem geeigneten Platz anhalten, bis der Rest wieder aufgeschlossen hat.
Niemals die Gruppe unbegründet verlassen. In bestimmten Fällen kann jedoch die Gruppe kurzfristig aufgelöst werden. Das wird aber immer nur vom Gruppenchef bestimmt. Zum Beispiel zu Beginn der Passstrasse kann die Fahrt zur Passhöhe frei gegeben werden. Dann fahren diejenigen, welche die Strecke lieber "individuell" fahren der Gruppe nach ihrem Gusto voraus. Auf der Passhöhe wird auf jeden Teilnehmer gewartet und die Gruppe fährt zusammen weiter.

Durch das versetzte Fahren entsteht ein optimaler Sicherheitsabstand zwischen den einzelnen Gruppenteilnehmern.

Sicherheitsabstand / Versetztes Fahren / Fahrverhalten

Der Gruppenchef

  • ist meist der Tourenchef oder ein Mitglied des Vorstandes und kennt die Strecke
  • bestimmt die 'Verhaltensregeln' und gibt diese vor der Abfahrt bekannt
  • fährt links von der Fahrbahnmitte
  • fährt generell zurückhaltend und macht keine brüsken Bremsungen und Beschleunigungen
  • bestimmt die Route
  • bestimmt die Stops
  • bestimmt die Geschwindigkeit

Der Gruppenteilnehmer

  • hält sich an die Anweisungen des Gruppenchefs
  • ist verantwortlich für den nachfolgenden Fahrer
  • fährt versetzt mit einem Abstand von ca. 5 bis 6 m nach vorne und hinten. In Kurven behält jeder seine Linie, ohne über die Mittellinie zu fahren oder zu lehnen. Wird die Spur zu schmal, wird hintereinander gefahren (Abstand vergrössern).
  • überholt die anderen Teilnehmer nicht
  • hält die einmal eingenommene Position innerhalb der Gruppe ein
  • wartet bei Abbiegungen auf den Rest der Gruppe
  • Bei Pannen, Unwohlsein oder dergleichen, schert nur der Betroffene aus. Einer der Schlussfahrer wird sich um die Sache kümmern und entscheiden wie es weiter geht.

Der Schluss-Fahrer

  • ist ein Vorstandsmitglied, respektive ein verantwortungsbewusster, erfahrener Biker.
  • kennt die Route genauso gut wie der Konvoi-Führer.
  • ist verantwortlich, dass keiner zurück bleibt und hilft die Gruppe zusammenzuhalten.


Lücken schliessen

Es kann immer wieder vorkommen, dass vor einem eine Lücke entsteht, weil jemand aus dem Konvoi ausgeschert ist. Es ist eine weitverbreitete gefährliche Unart, diese Lücke durch Seitwärtsverschieben wieder zu schliessen. Schon mehr als einmal haben sich Teilnehmer so gegenseitig abgeschossen. Die korrekte Art, solche Lücken zu schliessen, besteht im lateralen Verschieben, das heisst von hinten nach vorne auf derselben Spur bleibend.


Anhalten

Beim Anhalten vor Kreuzungen, Rotlichtampeln und anderen Hindernissen wird auf Zweier-kolonnen aufgeschlossen und der Abstand zum Vorderfahrzeug so kurz wie möglich gehalten um ein schnelles Überqueren der Kreuzung zu ermöglichen.


Geschwindigkeit Die Geschwindigkeit richtet sich jeweils nach dem hinteren Fahrzeug aus. Immer Rückspiegel kontrollieren, was macht mein Hintermann? Jeder Teilnehmer ist für das Mitkommen seines nachfolgenden Fahrers verantwortlich. Verliert er ihn, sollte er sich zurückfallen lassen oder wenn nötig anhalten. Wenn sich jeder an diese Regel hält "spricht sich das bis nach vorne durch". Nur so kann die Gruppe von hinten her nach vorne abgebremst werden und es wird verhindert dass sich die Gruppe teilt.
Verliert man sich im Eifer des Gefechts doch einmal aus den Augen, müssen die Vorausfahrenden spätestens dann stehen bleiben, wenn sie die eingeschlagene Strecke verlassen und oder abbiegen. Für alle nachkommenden Fahrer gilt: immer auf der befahrenen Strasse bleiben, nicht abbiegen, bis man auf die Wartenden trifft.
Ganz automatisch fährt man hinten in der Gruppe schneller als vorne. Schon bei 20 Motorrädern kann das gute 20 km/h ausmachen. Also wird vorne Innerorts nicht mehr als 40 km/h gefahren - hinten gibt's dann schnell 50 km/h. Ausserorts wird vorne nicht mehr als 60 bis 70 km/h - hinten muss man sich dann schon sputen. Das kommt teilweise vom Zieharmonika-Effekt. Man kann diesen Effekt etwas mindern indem man die Abstände konstant einhält und sehr konzentriert fährt. Auf längeren Strecken und auf Strecken mit viel Anfahren, Anhalten und Abbiegen kommt es unweigerlich zu diesem Phänomen.

Gruppengrösse Das oben beschriebene Phänomen führt auch dazu, dass längere Tagesetappen von mehreren hundert Kilometern nicht in vernünftiger Zeit zu fahren sind. Dazu kommt noch, dass eine Gruppe von 20 Bikes einfach mehr Zeit für ihre Stopps benötigt, als kleinere Gruppen. Deshalb empfehlen wir eine Grösse von 8 bis 10 Bikes pro Gruppe. Melden sich viele Teilnehmer an einer Ausfahrt an, werden sie entsprechend in mehrere Gruppen aufgeteilt.

Überholen Überholen und Fahrbahnwechsel auf mehrspurigen Strassen:
Der Hinterste Fahrer schert als Erster aus, es wird von vorne nach Hinten das Blinkzeichen durchgegeben und erst dann von Hinten nach Vorne mit dem überholen begonnen. So ist gewährleistet, dass sich niemand in die Gruppe drängen kann. Nach dem Überholen wird vorne zügig weitergefahren, sodass auch die Hinteren einscheren können.
Bei Überholvorgängen oder an Kreuzungen muss sich jeder Fahrer selbst vergewissern, ob die Strecke frei ist. Sich von vorausfahrenden Fahrern "mitziehen" zu lassen, kann gefährlich werden. Auch wichtig beim Überholen: Die Position in der Gruppe immer beibehalten und nacheinander überholen - selbst wenn der Vordermann zögert. Erst wieder überholen, wenn mindestens 2 Fahrer das zuvor überholte Fahrzeug auch überholt haben. Somit wird verhindert, dass der Konvoi total auseinandergerissen wird.
Wird die Gruppe selbst überholt, versteht es sich von selbst, dass dem Überholenden die Möglichkeit zum Einscheren gelassen werden muss.


Handzeichen

Zum Schluss das Wichtigste zusammengefasst:

  • Motorrad in gutem Zustand und vollgetankt
  • Fahrer mit Sicherheits-Ausrüstung und auch in "gutem Zustand"
  • Wenn möglich immer Versetzt fahren
  • Position in der Gruppe stets beibehalten
  • Nicht innerhalb der Gruppe überholen
  • Langsame Fahrzeuge am Anfang der Gruppe
  • Jeder ist für seine Sicherheit selbst verantwortlich!
  • Jeder fährt nach seinem eigenen Können!
  • Jeder ist für das Mitkommen seines nachfolgenden Fahrers verantwortlich!

In diesem Sinne wünschen wir euch viele unfallfreie Kilometer und viel Spass!
Fahrt Vorsichtig und bleibt Gesund, denn wir wollen alle wieder unversehrt zu Hause ankommen!

Euer MCC Vorstand

Anmerkung: Diese Sicherheitsregeln und Empfehlungen sind ein Mix aus schon bestehenden Regeln aus dem Internet und eigenen Erfahrungen.